Philharmonie Südwestfalen – Landesorchester NRW, Hilchenbach

Bruce Whitson verabschiedet

Bruce Whitson verabschiedet

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17. März 2016

Stellvertretender Solobratscher geht in den Ruhestand.

1970 begann sein Orchesterdienst in den USA, seit 1988 gehört Bruce Whitson der Philharmonie Südwestfalen als Solobratscher an. Nun geht er, begleitet von den besten Wünschen seiner Kolleginnen und Kollegen, des Publikums und natürlich von Vorstand und Intendanz des Orchesters in den Ruhestand. So wie Tschaikowsky seine erste musikalische Liebe war, bestimmt der Komponist auch das letzte Programm, das er am 18. März mit dem Orchester im Apollo-Theater Siegen spielt.

Drei Fragen haben wir ihm zu seinem Abschied gestellt. Lesen Sie selbst:

  1. An welche Situation aus dem Orchesterleben denken Sie besonders gerne zurück?
    • Konzerte an namhaften Spielstätten wie die Kölner-, Essener- und Berliner Philharmonie, Tonhalle Düsseldorf, Konzerthaus Dortmund, Alte Oper Frankfurt, Laeiszhalle Hamburg, in den Opernhäusern Köln, Essen oder Düsseldorf sowie die Tourneen nach Frankreich, Italien oder China.
    • Die konzertante Aufführung von Verdis „La Traviata“ zum 60. Geburtstag von Lambrecht-Schadeberg in der Abfüllhalle der Krombacher Brauerei.
    • Der Stromausfall während der deutschen Erstaufführung des Paul McCartney-Oratorium „Ecce Cor Meum“ in Hamm, der uns plötzlich in völlige Dunkelheit tauchte.
    • Der Fototermin in den Fabriken von Netphen, bei dem die Bratschen „im Wind“ stehen sollten. Allerdings wurde nicht beachtet, dass der Boden voller Staub war. Und als dann der Ventilator eingeschaltet wurde…
    • Der Anruf zum Fototermin „Gut für Bruce, gut für dich“.
    • Die neue Spielstätte Apollo-Theater Siegen.
    • Fünf Mal im ausverkauften Haus mit tobendem Publikum Filmmusikkonzerte im Apollo-Theater spielen…
  2. Was schätzen Sie an Ihrem Beruf besonders?
    • Zuerst der abwechslungsreiche und unkonventionelle Arbeitsalltag. Er war immer eine interessante Herausforderung.
    • Dann das Grenzüberschreitende: dass – egal welcher Herkunft – so viele Menschen enorm viel investieren, um im richtigen Moment alles zu geben, die musikalische Botschaft eines Beethoven, Brahms, Schostakowitsch oder Gershwin zu vermitteln.
    • Drittens eine Besonderheit, die uns ganz besonders die Musik bietet: mit allen Sinnen und Emotionen voll und ganz im jetzigen Moment zu sein.
    • Die Flüchtigkeit der Musik ist ganz eng mit dem Sinn des Lebens verbunden. Wir streben nach musikalischer Perfektion und egal, wie gut die Aufführung ist, erreichen wir die Perfektion nie. Nach dem Konzert ist die Musik verklungen – morgen streben wir wieder. Auch das Leben ist flüchtig, aber gerade wegen der Flüchtigkeit sehr kostbar.
  1. Mit welchen Erwartungen und Gefühlen gehen Sie in den „Ruhestand?
    • Ich erwarte noch, so gut es mir gelingt, einen sinnvollen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben leisten zu können und dabei Spaß zu haben. Meine Gefühle sind sehr gemischt – auf der einen Seite kann ich mir ein Leben ohne Musik gar nicht vorstellen und ich habe noch viel Freude am Musizieren. Auf der anderen Seite steht die Frage, wie lange es, schon allein von der körperlichen Anstrengung her, noch geht?
    • Das Orchester ist sehr gut geworden. Ich bin stolz, dazu zu gehören. Ich bin dankbar für die öffentliche Unterstützung und Anerkennung. Ich bin aber auch den Orchesterkollegen dankbar, die vor mir den Weg zur Qualität des Orchesters vorbereitet haben sowie den neuen Kollegen, die das Niveau der Philharmonie Südwestfalen in den letzten Jahren erheblich verbessert haben.
    • Ich möchte an den Förderverein der Philharmonie Südwestfalen und ganz besonders an Frau Barbara Lambrecht-Schadeberg ein großes Dankeschön sagen!

Ein großer Dank und alle guten Wünsche an Bruce Whitson für seinen neuen Lebensabschnitt!