Sinfoniekonzert

Sinfoniekonzert

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Stafanos Tsialis
Kai Frömbgen

Fr / 23-Mrz-2018 / 20.00 Uhr

Sinfoniekonzert

Anton Webern (1883 – 1945)
• Passacaglia op. 1 (1908)

 Richard Strauss (1864– 1949)
• Konzert für Oboe und kleines Orchester (1945)

 Johannes Brahms (1838 – 1897)
• Sinfonie Nr. 4 e-moll op. 98 (1884 / 85)

Info/Karten:
Siegen / Apollo-Theater
Telefon: 02 71. 7 70 27 72 0
theaterkasse@apollosiegen.de
s://www.apollosiegen.de/karten

Einführungsvortrag mit Winfrid Chassé
Di / 20-Mrz-2018 / 18 Uhr im Museum für Gegenwartskunst Siegen

Solist: Kai Frömbgen (Oboe)
Gefördert von der sparkasse-logo

1885 fand die Uraufführung der vierten Sinfonie von Johannes Brahms statt. Der Meister dirigierte selber das Meininger Orchester. Einige Kritiker vermeinten, nur wenige kompositorische Einfälle entdecken zu können, dem großen Beifall des Publikums tat das jedoch keinen Abbruch. Grundsätzlich befand sich die Entwicklung der Musik vor einer Weggabelung: Die einen versuchten, ganz in der Tradition Beethovens, traditionelle Formen weiterzuentwickeln. Andere wollten grundsätzlich neue, meist kürzere Kompositionsformen ausprobieren. Beide Lager beäugten sich misstrauisch. Dieses Misstrauen bekam auch Brahms reichlich zu spüren.
»In einem einzigen Beckenschlage aus einem Liszt’schen Werke drückt sich mehr Geist und Empfindung aus als in allen brahmsschen Symphonien«, urteilte zum Beispiel Hugo Wolf. Die Mehrheit sah und sieht das anders; die vier Sinfonien von Johannes Brahms stellen heute einen festen Bestandteil in jeder Konzertplanung aller Orchester dar. Dabei war auch Brahms durchaus experimentierfreudig: Der 4. Satz seiner Vierten ist eine Passacaglia, eine besondere Form der Variation, die schon zu Bachs Zeiten bekannt war. Und es ist gar nicht so einfach, daraus den Finalsatz einer romantischen Sinfonie zu formen.
27 Jahre nach Brahms bediente sich auch Anton Webern dieser Kunstform. Er verehrte Arnold Schönberg und nahm bei ihm Unterricht. Zum Abschluss dieser Studien komponierte er sein Opus 1, eine Passacaglia. Ein Thema von »radikaler Knappheit« wird in 23 Variationen und einer Coda zusehends aufgeweicht und schließlich in Gänze aufgelöst. Die Reife, mit der Webern hier versucht, Tradition und Innovation zu vereinen, ist bemerkenswert.
Ergänzt wird der Konzertabend mit dem Oboenkonzert von Richard Strauss. Er schuf diese kleine »Handgelenksübung«, wie er selber ironisch sagte, in einer Zeit der enormen Umwälzungen im Sommer 1945. So heiter, wie manche Melodie vielleicht suggerieren möchte, wird sich Strauss in Wahrheit nicht gefühlt haben, denn die amerikanischen Besatzungstruppen standen vor der Tür. Strauss war etliche Jahre lang ein prominentes Aushängeschild des Nazi-Regimes gewesen, hatte sich aber durchaus auch für jüdische oder sonstwie verfemte Kollegen eingesetzt. Die Amerikaner wussten um seine Bedeutung und ließen seine Villa unangetastet. Allerdings gingen hier jetzt Soldaten ein und aus. Einer davon, ein 24-jähriger Oboist, fragte den weltberühmten Komponisten, ob er je daran gedacht habe, ein Konzert für Oboe zu schreiben. Die entschiedene Antwort lautete: »Nein !« Aber kurz darauf machte sich der 81-Jährige ans Werk.